Babykopf mit zwei Zähnen

Die Wachstumsschübe

Ein sogenannter Wachstumsschub bedeutet nicht, dass Ihr Baby auf einmal schneller wächst - obwohl es auch an Gewicht, Körperlänge und Kopfumfang zulegt. Es ist eher ein Entwicklungssprung im Gehirn. Das Kind erwirbt neue Fähigkeiten in der Wahrnehmung, lernt seinen Körper besser kennen und beherrschen (motorische Entwicklung) und verfeinert und verbessert seine Sinnesorgane.

Das alles ist durchaus eine Belastung für den kleinen Körper. Viele Kinder sind überfordert und weinerlich, machen Theater beim Windelwechsel, schlafen weniger und schlecht (oder ganz im Gegenteil auf einmal mehr), sind anhänglicher und wollen den ganzen Tag herumgetragen werden. Wenn Sie Ihr Baby hinlegen, wird es weinen. Seine Stimmung kann plötzlich von jammernd zu fröhlich und umgekehrt wechseln. Es saugt häufiger am Daumen oder braucht den Nuggi. Manches Baby fremdelt sehr, hat auf einmal Angst vor bekannten Geräuschen oder Gesichtern. Es erschrickt sozusagen vor seinen neuen Fähigkeiten und Wahrnehmungen und klammert sich an die am meisten vertraute Bezugsperson.

All dies kann aber natürlich auch andere Gründe haben oder durch einen neuen Zahn erklärbar sein. Wenn Sie unsicher sind, schadet es nicht, sich an Ihren Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin zu wenden.

Reagieren Sie auf diese Verwirrung so gut es geht mit Zuwendung und Nähe, auch wenn das ganz schön anstrengend werden kann. Damit geben Sie dem Baby ein Gefühl der Sicherheit. Es kann sich auf das „Neue“ einlassen und die neuen Fähigkeiten ohne Angst für sich nutzen.

Allerdings reicht das noch nicht ganz: Es braucht auch mehr Nahrung. Wachstumsschübe werden deshalb nicht ganz zu Unrecht häufig mit Essensschüben gleichgesetzt. Stillkinder wollen während eines Wachstumsschubs viel öfter an die Brust, manchmal bis zu 18 mal in 24 Stunden, sind dabei sehr unruhig und fast nicht sattzukriegen. Legen Sie häufig an und dehnen Sie die Stillzeiten etwas aus, das gibt gleichzeitig eine beruhigende Extraportion Geborgenheit beim Körperkontakt. Vor allem aber wird die Milchproduktion gesteigert. Dies kann ein paar Tage dauern und muss kein Anlass sein, abzustillen oder zusätzlich einen Schoppen zu geben.

In den ersten 14 Monaten gibt es acht Wachstumsschübe, die jeweils ungefähr eine Woche, selten länger, andauern. Davor und danach gibt es entspannte Phasen, in denen das Baby die neu erlernten Fähigkeiten nutzt und verfeinert. Unterstützen kann man es in dieser Phase durch Spielzeug oder einfache Alltagsmaterialien, welche die neuen Fähigkeiten fördern.

Die zeitliche Abfolge ist bei termingerecht geborenen Kindern ziemlich einheitlich und hat offenbar massgeblich mit dem Nervenwachstum im Gehirn zu tun. Bei Frühgeborenen oder übertragenen Kindern verschieben sich die Zeitpunkte entsprechend nach hinten oder nach vorne. Wurde das Kind z.B. vier Wochen zu früh geboren, hat es den ersten Wachstumsschub nicht in der fünften sondern erst in der neunten Lebenswoche. Kam das Kind eine Woche nach dem errechneten Geburtstermin zur Welt, kann der erste Schub bereits mit vier Wochen eintreten.

Hier finden Sie weitere Informationen zu den acht Wachstumsschüben:

Letzte Aktualisierung : 10.2018, BH

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