
Millionen von Kerzen werden in den nächsten Wochen in unseren Wohnungen abgebrannt. Jede von ihnen ist ein Zeichen festlicher Freude und sorgt für eine stimmungsvolle Atmosphäre. Wenn eine Kerze brennt, sind besonders Kinder Feuer und Flamme: Für sie ist die Faszination des flackernden Lichts grösser als die von Weihnachtsliedern und Besinnlichkeit. Beim schimmernden Lichterglanz vergisst man leider leicht, dass es sich dabei gleichzeitig um ein offenes Feuer handelt, oft in unmittelbarer Nähe von leicht entzündlichem Material. Jede Kerzenflamme stellt mit ihren Temperaturen von über 1.000 Grad Celsius eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar, warnt die deutsche Stiftung Kindergesundheit.
Unfälle im Kindesalter sind mittlerweile das grösste Risiko für die Gesundheit von Kindern. In der Schweiz werden
jährlich rund 160.000 Kinder bei Unfällen so schwer verletzt, dass sie einen Arzt aufsuchen müssen. Das höchste Risiko besteht für Säuglinge und kleine Kinder sowie für Knaben nach dem zweiten Lebensjahr. Heute sterben bei uns mehr Kinder nach dem ersten Lebensjahr an den Folgen eines Unfalls als an Infektionskrankheiten und Krebs zusammen. "Deshalb ist es besonders wichtig, dass alle Kinder frühzeitig lernen: Mit Feuer spielt man nicht, denn Feuer ist gefährlich", betont Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit.
Kinder sollten Kerzen nur anzünden dürfen, wenn Erwachsene dabei sind. Damit diese Empfehlung auch eingehalten wird, sollte man Kinder niemals mit brennenden Kerzen allein lassen. Aber auch die Kerzen selbst sollten nie unbeobachtet bleiben: Schon eine leichte Zugluft kann genügen, um Adventskranz, Gardinen, Tapeten oder Möbel in Flammen aufgehen zu lassen. Laut der Beratungsstelle für Brandverhütung BfB kommt es bei uns wegen unbeaufsichtigten Kerzen jährlich zu mehr als 1'000 Wohnungsbränden, und dies hauptsächlich in der Advents- und Weihnachtszeit. Wichtige Regeln beim Umgang mit Kerzenfeuer im Advent und zu Weihnachten:
Kommt es trotz aller Vorsicht zu einem Unfall, muss jede Brandwunde möglichst sofort unter fliessendem kaltem Wasser gekühlt werden. Bitte kein Eiswasser, sondern normales Wasser aus der Wasserleitung: Die Anwendung von eiskaltem Wasser wird
So handeln Sie richtig bei kleineren Verbrennungen oder bei Verbrühungen mit heissen Flüssigkeiten:
Wichtig: Hat sich das Kind eine Verbrennung zugezogen, die grösser ist als sein Handteller, muss es ärztlich behandelt werden. Sind bei Kindern unter vier Jahren mehr als acht Prozent der Hautfläche verbrannt (bei Kindern über vier Jahren: mehr als zehn Prozent), muss das Kind in einem Krankenhaus behandelt werden. Das gilt übrigens auch für alle Verbrennungen der Hände oder Füsse und auch für Verbrennungen über Gelenken, im Gesicht und an den Genitalien. Zur Berechnung: Die Handfläche inklusive Finger des Kindes entspricht etwa einem Prozent seiner Körperoberfläche. Je jünger das Kind, umso eher gehört es bei einem Brandunfall ins Krankenhaus. Für den Transport in die Klinik genügt es, das verletzte Kind mit sauberen Küchentüchern oder gekochter Wäsche einzupacken. Mit dem Ausziehen sollte man keine Zeit verlieren.
Kinder, die einen Verbrennungs- oder Verbrühungsunfall erlitten haben, benötigen intensive schmerzstillende Massnahmen, um lang dauernde psychische Spätfolgen des
traumatischen Erlebnisses möglichst zu verhindern. Das wird jedoch häufig vernachlässigt: Da die Verbrennung einen extremen Stress darstellt, sind die Kinder häufig still, in sich zurückgezogen und verschüchtert und äussern wenig Schmerzen. Die Intensität ihrer Schmerzen wird deshalb auch von Ärzten oft unterschätzt. So ergab eine Untersuchung, dass Kleinkinder mit Verbrennungen nur zu 50 Prozent überhaupt eine Betäubung erhielten, während es bei Schulkindern immerhin 75 Prozent waren.Die Gefahr von Verbrennungen für Kinder ist allerdings ungerecht verteilt, betont die Stiftung Kindergesundheit:
Bei den Unfällen spielen auch die sozioökonomischen Risikofaktoren eine wichtige Rolle. So ermittelten britische Wissenschaftler in einer viel zitierten Studie, dass Kinder von Eltern mit dem niedrigsten beruflichen Status ein 16-mal größeres Risiko hatten, an einem Wohnungsbrand zu sterben. Kinder aus sozial benachteiligten Bevölkerungsschichten, Kinder aus Migrantenfamilien, Kinder, die in beengten Wohnverhältnissen oder in kinderreichen Familien leben, aber auch Kinder allein erziehender Eltern haben ein erhöhtes Risiko, durch Feuer Schaden zu erleiden. Auch ein geringer Bildungsgrad der Eltern, Drogen- und Alkoholkonsum und Arbeitslosigkeit erhöhen die Gefahr für Verbrennungsunfälle.
Ausführliche Informationen zum Thema Brandunfälle bietet im Internet die "Elterninitiative brandverletzte Kinder" auf der Seite www.paulinchen.de. Über die Vermeidung von Wohnungsbränden und den verantwortungsbewussten Umgang mit Kerzen informiert die Beratungsstelle für Brandverhütung www.bfb-cipi.ch.
Stand: 12/07, BH
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