Die Kleidungsstücke, in denen Eltern ihre Kinder in den Kindergarten oder Hort schicken, haben starken Einfluss auf die körperliche Aktivität. Das entdeckten Forscher vom Cincinnati Children's Hospital Medical Center. Sie wollten erkunden, warum es in der Kinderbetreuung in Sachen Aufenthalt im Freien so deutliche Unterschiede gibt. Überraschenderweise zeigte sich die Bekleidung als grösstes Hindernis für das Rausgehen, ist im "International Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity" zu lesen.
Haben einzelne Kinder etwa im Winter keine Jacke oder Handschuhe mit oder tragen ein teures oder besonders schönes Outfit, muss oft die ganze Gruppe drinnen bleiben, so die Wissenschaftler um Kristen Copeland. Heinz Krombholz vom Bayrischen Staatsinstitut für Frühpädagogik kann dies bestätigen. "Wenn zwei Kinder keine Jacke mithaben, ist der geplante Spaziergang im Schnee schon in Gefahr", so der Experte für Bewegungserziehung. Probleme treten auch dann immer wieder auf, wenn Mädchen Ohrringe oder anderen Schmuck tragen, der beim Turnen abgelegt werden muss, oder wenn sie verschleiert sind.
Die Gründe für die unpassende Bekleidung wurden bei der US-Studie in Gruppeninterviews erhoben, an denen sich Eltern und Pädagogen aus 53 Kindergärten und Horten beteiligten. Laut Aussagen der Erzieher sind Eltern oft vergesslich, haben ständig Stress am Morgen oder geben den Vorlieben der Kinder in der Bekleidung zu sehr nach. Auch geringes Einkommen sei manchmal im Spiel, wenn Kinder über bestimmte Kleidungsstücke nicht verfügen, zudem hielten manche Eltern das Spielen im Freien kaum für wichtig.
Für unersetzbar hält Krombholz den Aufenthalt im Freien aus mehreren Gründen. "Einerseits ist es wichtig, dass Kinder auch einmal Kälte spüren, nass werden oder Hitze ertragen. Andererseits gibt es draussen mehr Platz und Anregungen für Spielideen und die frische Luft tut auch in der Stadt gut." Zwar sei es bedauerlich, dass heute Klassiker wie etwa Hüpfspiele oder Seilspringen weitgehend verschwunden sind, doch hätte man ausreichend Ersatz gefunden. "Schon Kinder fahren manchmal Einrad oder lernen jonglieren. Skater klettern zwar nicht mehr auf Bäume, nutzen jedoch die Umgebung auf die kreativste Weise."
Insgesamt habe sich die Situation in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gebessert. Zu verdanken sei dies unter anderem der Jeanshose. "Die Bekleidung von Mädchen wurde dadurch viel zweckmässiger, wodurch sie heute den Jungen in Motorik oder Leistungsfähigkeit kaum nachstehen", so Krombholz. Dank der Erfindung der Waschmaschine dürfen sich Kinder schmutzig machen. Allerdings seien Kinder früher mehr auch alleine im Freien gewesen, während dies heute in der Stadt aufgrund der Verkehrsgefahr kaum möglich sei.
Die Studienautoren empfehlen den Pädagogen, Eltern entsprechend zu sensibilisieren. "Gummistiefel und eine spezielle Matschhose gehören in den meisten Kindergärten ohnehin bereits zum Standard. Zugleich sollte man jedoch auch die Übertreibung vermeiden, Kinder schon bei mässiger Kühle komplett zu verpacken. Was macht man da wohl erst bei frostigen Temperaturen?", so der Münchner Experte.
Quelle: www.pressetext.ch, http://www.ijbnpa.org/content/6/1/74/abstract, http://www.ifp.bayern.de
Stand: 11/09, BH
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