Vor allem Impfgegner befürchten, die vielen Impfungen im Kindesalter könnten das Immunsystem überfordern. Es sei dann nicht mehr in der Lage, auf Erreger zu antworten, die nicht durch die Impfung abgedeckt werden. Impfungen würden somit nicht zu weniger, sondern zu mehr Infektionen führen.
Eine grosse Studie aus Dänemark findet hierfür aber keine Hinweise. Die Studie umfasst alle 805 206 in Dänemark im Zeitraum von 1990 und 2001 geborenen Kinder, denen die folgenden sieben Impfungen angeboten werden: Haemophilus influenzae Typ b (Hib); Diphtherie-Tetanus-inaktiviertes Poliovirus (DTP); Diphtherie-Tetanus-azelluläre Pertussis-inaktiviertes Poliovirus; Pertussis-Ganzkeimimpfstoff; Masern-Mumps-Röteln (MMR) und orales Poliovirus.
Professor Anders Hviid vom Statens Serum Institut hat in der Studie untersucht, ob geimpfte Kinder häufiger als ungeimpfte wegen Infektionskrankheiten im Spital behandelt werden mussten. Erfasst wurden alle Fälle von Atemwegserkrankungen, Lungenentzündung, Blutvergiftung, Hirnhautentzündung oder schwerer Durchfall. Diese Analyse ist in Dänemark leicht möglich, da jeder Einwohner in allen Registern dieselbe Identifikationsnummer trägt.
Ein Zusammenhang zwischen Impfungen und Spitalaufenthalt war aus der Statistik nicht erkennbar - bis auf eine kleine Ausnahme: Kinder, die gegen Hämophilus influenzae B (Hib) geimpft worden waren, erkrankten zu fünf Prozent häufiger als nicht Hib-geimpfte Kinder an oberen Atemwegserkrankungen. Die Risikoerhöhung war aber so gering, dass die Untersucher an ein Zufallsergebnis glauben. Eltern solle deshalb nicht von der Hib-Impfung abgeraten werden.
Quelle: JAMA 294, S. 699-705, 2005
B.H.
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