Seit den 1960er Jahren bekommen Babys und Kleinkindern in der Schweiz bereits wenige Tage nach der Geburt ihre tägliche Dosis von 400 IE Einheiten Vitamin D3, bekannt als Rachitis-Prophylaxe. Da in den letzten Jahren von den Eltern und einigen Medizinalpersonen Bedenken geäussert wurden, weil das seit Jahren eingesetzte Präparat Alkohol als Lösungsmittel enthielt, wurden vermehrt aus dem Ausland ölige Tropfen in die Schweiz eingeführt. Seit Anfang 2010 ist nun ein in der Schweiz registriertes Präparat auf der Basis öliger Tropfen erhältlich.
Akute Überdosierungen, d.h. die Einnahme eines ganzen Fläschchens mit 45‘000 bis 200‘000 IE auf einmal, verlaufen in der Regel nach Angaben des Schweizerischen TOX Zentrums unproblematisch und die Eltern können beruhigt werden.
In den letzten drei Jahren registrierte das TOX Zentrum jedoch eine Zunahme der chronischen Vergiftungen mit Vitamin D3. Dafür gibt es mehrere mögliche Erklärungen:
Die neue Formulierung weist eine höhere Konzentration des Vitamin D3 auf. Beim Produkt mit öligen Tropfen müssen neu täglich nur ein Tropfen anstatt vier der bisher verabreichten alkoholischen Lösung pro Tag verabreicht werden. Eltern, die bisher die alkoholischen Tropfen verabreicht haben, sind sich dieser Dosierungsänderung nicht immer bewusst. Eine weitere Fehlerquelle besteht darin, dass anstatt einem Tropfen der öligen Lösung gleich eine Pipette voll (1ml) verabreicht wird. Die alkoholische Lösung muss direkt aus der Flasche getropft werden, somit kann hier nicht so leicht eine Überdosierung erfolgen.
Wird somit täglich anstatt eines Tropfens gleich eine Pipette voll verabreicht, kommt es rasch zu toxischen Vitamin-D-Spiegeln. Es gibt in der Literatur keine genauen Angaben bezüglich einer giftigen Vitamindosierung. Fachleute gehen aber davon aus, dass 40‘000 IE täglich über 1 bis 4 Monate eingenommen bei Kleinkindern zu Vergiftungserscheinungen führen könnte. Bei Überdosierungen über Jahre hinweg können schon Dosen von 2000-4000 IE täglich eine Intoxikation verursachen. Am schweizerischen Toxikologischen Informationszentrum wurden im letzten Jahr zwei schwere Fälle mit Vergiftungen registriert, beide verursacht durch hochkonzentrierte Lösungen, elf weitere Fälle verzeichneten chronische Überdosierungen. Im ersten Halbjahr 2010 wurden bereits neun weitere Fehldosierungen verzeichnet. Bei diesen 20 Fällen wurde die Fehldosierung aber so früh bemerkt, dass keine oder nur leichte Intoxikationssymptome (wie Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Appetitlosigkeit, Lethargie, häufiges Wasserlösen und muskuläre Hypotonie) auftraten.
Als Prophylaxe gilt deshalb: Nur 1 Tropfen der öligen Lösung täglich verabreichen.
Quelle: pharmaJournal 15/ 7.2010: Christine Rauber-Lüthy, Cornelia Reichert, Hugo Kupferschmidt, Vitamin D3: Überdosierungen bei Kleinkindern
Stand: 08/10, AS
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